Mobilfunker mit sozialem Sendungsbewusstsein

Mit gutem Gewissen telefonieren: Neues Social Business für die Mobilfunkbranche.

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Mit gutem Gewissen telefonieren: Neues Social Business für die Mobilfunkbranche.

Tue Gutes und rede darüber – bei einem neuen Mobilfunkanbieter hat diese Devise gleich mehrfache Bedeutung. Bei Goood werden nämlich Begriffe wie „sozialer Impact“, „Nachhaltigkeit“ und „Allgemeinwohl“ großgeschrieben (obwohl man Goood nach Vorgaben der Gründer eigentlich klein schreiben müsste); es soll "einfach mal die Welt verbessert werden". Das Geschäftsmodell der Firma, die noch heuer in Deutschland auf den Markt gehen will und Anfang nächsten Jahres auch in Österreich, ist durchaus ungewöhnlich: Zehn Prozent des jeweiligen Paket-Preises des gewählten Tarifs – also der Grundgebühr – sollen an gemeinnützige Organisationen wie das Deutsche Kinderhilfswerk gehen, dabei können sich die Kunden aussuchen, an welche. Innerhalb der ersten fünf Jahre sollen auf diese Weise mindestens 24 Millionen Euro an Spendengeldern verteilt werden. Etwas mehr als ein Viertel des Gewinns von Goood soll später in Start-Ups der Kategorie Social Enterprise investiert werden, zumindest ist das laut den jüngsten Pressenaussendungen so geplant. Über eine eigene App sollen die Kunden laufend darüber informiert werden, was mit ihrem guten Willen und ihren Spenden erreicht wird.

Gute Visionen

Die Vision der Firma: Eine Gesellschaft, die auf „Respekt, Verantwortung und Anteilnahme“ aufbaut; man schätzt sich selbst als „Social Business“ ein. In der Praxis will man dennoch mit niedrigen Tarifen argumentieren – und die sollen dadurch möglich sein, dass man auf Werbung und Marketing verzichtet, also zumindest auf die üblichen Methoden. Mit dem Hinweis auf das soziale Bewusstsein wird es sicherlich ausreichend Propaganda für das Unternehmen geben.

Gegründet wurde Goood von ehemaligen Managern der Telekom Austria, unter anderem von der ehemaligen Marketingverantwortlichen Claudia Winkler. Mit an Bord ist auch Karl Wagner, der ehemals CEO von WWF in Österreich war. Startkapital ist naturgemäß dennoch notwendig, das will man sich unter anderem über Crowdfunding holen, vor kurzem wurde eine Kampagne auf der Plattform Green Rocket gestartet: Ab einem Betrag von 250 Euro kann in Goood investiert werden, gewinnunabhängig wird ein Zinssatz von vier Prozent zugesagt, für Frühentschlossene fünf Prozent, die Laufzeit beträgt zehn Jahre. Insgesamt sollen dadurch mindestens 70.000 Euro hereinkommen. Wenn es der Firma gut geht, soll es eine Erfolgsbeteiligung geben; wie bei solchen Finanzierungsvarianten üblich, könnten Geldgeber ihr Investment aber auch zur Gänze verlieren. Es handelt sich um ein "partiarisches Nachrangdarlehen" - diese Darlehen werden im Falle einer Insolvenz der Firma unter den Gläubigeransprüchen ganz nach hinten gereiht, das Risiko ist daher entsprechend groß.

In der Praxis werden letztendlich doch die Tarife dafür entscheidend sein, ob sich potenzielle Kunden für einen „goooden“ Vertrag entscheiden, um damit soziale Projekte zu unterstützen – oder ob sie das in Form von Spenden gleich direkt tun. Im Bereich des „Social Business“ ist jedenfalls noch eine Menge Gründungen zu erwarten, nicht zuletzt wegen der Aufmerksamkeit, den solche Geschäftsmodelle in der Öffentlichkeit stets erregen.