Microsoft verpasst Office mobilen Charakter

Gemeinsames Bearbeiten von Dokumenten ist nun möglich, dazu neue Suchfunktionen.

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Gemeinsames Bearbeiten von Dokumenten ist nun möglich, dazu neue Suchfunktionen.

Je größer die Marktmacht, desto eher die Gefahr, dass auf aktuelle Trends nicht Rücksicht genommen wird. Das ist bei Microsoft zumindest in Sachen Office nicht der Fall: Bei der jüngsten Version des Software-Pakets mit Word und Excel, das ab heute (22. September) verkauft wird, wurde sehr wohl Bezug genommen auf entsprechende Entwicklungen. Was natürlich andererseits die Gefahr bedeutet, dass man des Nachmachens bezichtigt wird – angesichts der nach wie vor großen Popularität der Office-Programme wird das aber kein großes Problem sein. Laut Hersteller wird weltweit jede Sekunde einmal ein Office-Paket verkauft – was auch immer man mit solchen Zahlen anfangen will, es zeigt die nach wie vor große Verbreitung dieser Software. Jedenfalls glaubt Microsoft die Bedürfnisse der Anwender – vom Heimbüro über Studierende bis zum tausendfachen Einsatz im Großraumbüro – erkannt zu haben. Diese wären neben dem mobilen, orts- und zeitunabhängigen Arbeiten auf unterschiedlichen Geräten etwa auch die Möglichkeit zur einfachen Zusammenarbeit; außerdem möglichst wenig Vorgaben seitens der Software und hohe Sicherheit.

Zumindest in Sachen Zusammenarbeit scheint Microsoft tatsächlich einen großen Schritt gemacht zu haben: Erstens ist das neue Office nach Angaben des Unternehmen die erste Version, die auf allen Geräten und Betriebssystemen läuft. Man kann Word & Co. demnach auf Android-Tablets und iPads ebenfalls nutzen. Für Mac-Rechner war Office ja bereits im Juli präsentiert worden und interessanterweise spielte Microsoft sogar bei der jüngsten Apple-Keynote eine Rolle. Zweitens – und hier wird es wirklich interessant – ist nun das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten möglich. In der Praxis funktioniert das, indem beispielsweise mehrere Nutzer zugleich an Präsentationen oder an Word-Texten arbeiten können; dazu können sie im Chat oder auch via Skype kommunizieren. Blinkende Cursor zeigen, wo sich jemand gerade ans Werken gemacht hat. Entsprechende Systemstabilität vorausgesetzt (das wird sich in genauen Tests beweisen), könnte das nicht nur in Firmen, sondern beispielsweise auch für Freiberufler, die an gemeinsamen Projekten arbeiten, ein großer Fortschritt sein. Microsoft hat hier einen großen Schritt weg vom PC und Laptop, hin zu Tablets und Smartphones gemacht.

Zu den weiteren Funktionen von Office zählt eine Suchfunktion direkt im Dokument, wobei nach einzelnen Begriffen oder ganzen Sätzen unter anderem via Bing oder Online-Lexika gesucht werden kann; dies kann allerdings nicht auf beliebige Suchprogramme wie etwa Google erweitert werden. Apropos Suche: Nun gibt es ein Suchfeld, indem nach gewünschten Funktionen innerhalb von Office gefahndet werden kann („Tell me“); also wenn man beispielsweise mit dem Drucken nicht zurechtkommt. Neu ist auch die Möglichkeit, Anhänge nicht direkt ans Outlook-Mail zu knüpfen, sondern diese auf einem Internet-Speicherplatz zu belassen und nur den Link dorthin zu versenden – dieser kann dann (etwa nach versehentlichem Senden) auch wieder storniert werden. Allerdings muss der Empfänger dazu ein Microsoft-Konto haben; wie bisher können Mails aber auch direkt mit Anhängen versehen werden. In Excel gibt es zum ersten Mal seit acht Jahren neue Chart-Typen, die zum Teil auch bereits als Infografiken Verwendung finden können. Zudem besteht nun die Möglichkeit, Prognoseblätter zu erstellen.

Das neue Office gibt es auf zwei unterschiedliche Arten: Als klassische Dauerlizenz für einen Computer und als Mietversion für mehrere Geräte und in unterschiedlichen Varianten. Die „Home“-Mietedition beispielsweise kostet knapp 100 Euro und kann auf fünf Computern (Windows oder Mac) und fünf Mobilgeräte (etwa Tablets) laufen; ein TB Speicherplatz und 60 Minuten Skype pro Monat sind darin inkludiert. Für Privatnutzer gibt es das neue Office-Paket ab 22. September, für Firmen mit Volumenlizenzen ab 1. Oktober.

Bild oben: Screenshot vom neuen Office 365, beigestellt