Drohnen-Hersteller schwärmen von Crowdfunding

Drohnen-Projekte heben ab, Einsatzmöglichkeiten von Videoaufnahmen über Gaming bis Lebensrettung.

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Drohnen-Projekte heben ab, Einsatzmöglichkeiten von Videoaufnahmen über Gaming bis Lebensrettung.

Ist in den Nachrichten von Drohnen die Rede, geht es meistens um deren negative Folgen, selbst wenn man den Einsatz von Militärdrohnen in Kriegen als eigenes Kapitel behandelt. Derzeit grassiert beispielsweise in Frankreich die Angst vor Terrorangriffen auf Atomkraftwerke mit den fliegenden Dingern. Auch der fehlgeschlagene Versuch des Sängers Enrique Iglesias, eine Kamera-Drohne zu halten - er hat sich dabei an der Hand verletzt - gelangte prompt in die Schlagzeilen.

Dabei werden seriöse Anwendungen von Drohnen meist ebenso ausgeblendet wie das Potenzial für Kreation, Unterhaltung und Gaming. So könnten Drohnen in Zukunft in der Landwirtschaft zum Besprühen von Feldern zum Einsatz kommen, in Österreich sollen Live-Bilder von Drohnen die charmanten, aber etwas altmodisch wirkenden Wetterbilder von Skigebieten ersetzen. Amazon und Logistik-Konzerne denken lautstark über einen Einsatz zur punktgenauen Zustellung von Paketen nach.

Für weniger bombastische Einsätze sind Drohnen bereits verfügbar, etwa zum Fotografieren und Filmen aus der Luft. Als Nonplusultra gilt dabei die DJI Inspire One, das US-Magazin Verge ist ganz angetan von der Kamera-Drohne, die in 4K-Qualität filmen kann. Für den Quadrocopter sind hierzulande laut geizhals.at aber immer noch knapp 3200 Euro zu bezahlen. Es gibt aber natürlich auch günstigere Modelle wie die DJI Phantom um rund 420 Euro.

Wann geht es wirklich los?

Wirklich abgehoben hat die Mini-Drohnen-Industrie aber noch nicht, denn erstens sind die Produkte insgesamt noch zu schwierig zu bedienen und zweitens gibt es keine klare Aussagen, was konkret damit zu tun sein könnte. Es fehlt natürlich auch an entsprechenden rechtlichen Sicherheiten, denn ob man beispielsweise die Kleingartensiedlung im Minutentakt überfliegen darf, um die Fortschritte der Nachbarn beim Grillen zu beobachten (und eventuell zu dokumentieren), ist mehr als fraglich. Doch es wird nicht lange dauern und Drohnen werden in unterschiedlichen Bereichen deutlich populärer werden - vielversprechende Projekte laufen überall und derzeit suchen einige davon auch eine Finanzierung.

Deutsche Gaming-Drohne

Interessant scheint beispielsweise das Projekt tobyrich.vegas: Diese Mikrodrohne ist eindeutig als technische Spielerei positioniert, es handelt sich ja nach Angaben des Unternehmens TobyRich um eine "Gaming-Drohne". Tatsächlich soll das Ding die Kombination aus echtem Fluggerät und Videospiel bieten. Spieler sollen die Drohne mit einer App auf ihrem iOS- oder Android-Gerät steuern können, die Reichweite soll 90 Meter betragen. Dann können mehrere Spieler gegeneinander Luftkämpfe austragen oder um die Wette fliegen. Hinter dem Projekt steckt das Bremer Technologie-Unternehmen TobyRich, das auf Modellbau, Gaming und Spielwaren spezialisiert ist; derzeit werden 12 Mitarbeiter beschäftigt. Soeben ist die Kickstarter-Kampagne für tobyrich.vegas gestartet, innerhalb der ersten Stunden konnten immerhin schon knapp 9000 Euro gesammelt werden (Stand Dienstag, 30. Juni, später Nachmittag).

Hier ein YouTube-Film, wie die Drohne mal funktionieren soll:

Micro Drone 3.0 holt Geld

Das große Interesse an Mini-Drohnen beweist das Projekt Micro Drone 3.0, das im Rahmen seiner Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo bereits knapp 820.000 US-Dollar (Stand 30. Juni) eingesammelt hat. Im Moment ist man mit 150 Dollar noch dabei und erhalt dafür die Drohne selbst. Hinter der Micro Drone steckt das britische Unternehmen Extreme Fliers rund um Gründer Vernon Kerswell - dieser will eine besonders kleine, leicht zu steuernde Drohne bauen, die vor allem für HD-Luftaufnahmen ideal sein soll. Vom ersten Produkt, der so genannten "Terror Wasp" war es ein weiter Weg bis zum derzeitigen Indiegogo-Projekt. Das Vorgängermodell, die Micro Drone 2.0, war wegen der geringen Video-Auflösung noch kein großer Renner. Mit besserer Auflösung, Live-Streaming und schwenkbarerer Kamera könnte die Nummer 3 aber deutlich besser werden. Die große Resonanz ist unter anderem den Berichten in Technik-Medien wie Mashable zu verdanken.

Bei der CES im Jänner haben sich die Leute von "GoodDogDigital" die Micro Drone 3.0 genauer angesehen:

Werbefilm zu Micro Drone 3.0:

PlexiDrone holt Millionen

Crowdfunding ist für Drohnen-Projekte bestens geeignet - das beweist auch das Beispiel der PlexiDrone, für die auf Indiegogo mehr als 2,1 Millionen Dollar eingenommen wurden. Das Produkt des kanadischen Unternehmens DreamQii soll in weniger als einer Minute zusammen zu bauen sein; es kann Kameras wie die GoPro Hero transportieren. Die Drohne wird rund 700 Dollar kosten und soll eine Follow-Me-Funktion haben, das heißt sie folgt dem Besitzer automatisch.

YouTube-Film über die PlexiDrone:

Drohnen-Wettbewerbe boomen

Was in Sachen Drohnen auf uns zusteuert, wird bei Wettbewerben ersichtlich. So hat Airbus hat bei seinem Kreativ-Bewerb "Fly Your Ideas", bei dem Ideen für die "Zukunft des Fliegens" gesucht werden, auch ein Studierenden-Team zum Thema Drohnen in die Top Fünf aus insgesamt 500 Einreichungen gehoben: Das japanische Team "Birdport" will Vogelschwärme mit Hilfe von Drohnen von Flughäfen weglocken. Die Drohnen sollen unter anderem Vogelschreie abspielen, um die Tiere an geeignete Plätze zu führen.

In den Vereinigten Arabischen Emirate wurde überhaupt gleich ein eigener Wettbewerb zum "guten" Einsatz von Drohnen ins Leben gerufen: "Drones for Good" heißt dieser und soll einen Überblick über interessante Projekte für einen friedlichen Einsatz der kleinen Fluggeräte geben. Heuer konnte das Schweizer Unternehmens Flyability den ersten Platz für internationale Projekte gewinnen. Deren Drohne, Gimball genannt, soll gegen Erschütterungen resistent sein und sich daher unter anderem für den Einsatz in Krisengebieten zum Aufspüren von Verwundeten oder für einen Überblick über das Geschehen eignen. Und wegen der besonderen Konstruktion ist es möglich, dass selbst unerfahrene Piloten das Fluggerät steuern können, denn wenn es gegen Objekte prallt, so macht das nichts aus.

YouTube-Video über Gimball:

Bild ganz oben: arturas kerdokas / Fotolia.