Firmengründer hinter Gittern

Studie der TU München zeigt Voraussetzungen für Entrepeneur-Kurse in Haftanstalten.

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Studie der TU München zeigt Voraussetzungen für Entrepeneur-Kurse in Haftanstalten.

Unternehmer im Gefängnis? In Österreich keine Seltenheit, denn hierzulande hat sich in gewissen Kreisen eine (um es höflich auszudrücken) kreative Auslegung der rechtlichen Möglichkeiten beim Erwirtschaften von Gewinnen entwickelt. Was sich die Technische Universität München aber vor kurzem bei einer Studie angesehen hat, betrifft nicht Firmenchefs, die vor dem Gefängnis schon unternehmerisch tätig waren, sondern Existenzgründungen im Knast. Der Hintergrund: Seit einigen Jahren gibt es in Europa und auch in den USA verstärkt Bemühungen, Kurse zur Firmengründung in Haftanstalten anzubieten. Die Strafgefangenen sollen dabei die Grundlagenb für die Gründung eines eigenen Unternehmens erlernen. Das soll ihnen Perspektiven für die Zeit nach der Haft geben. Allerdings, so die TU München, sei die Bilanz dieser Ausbildungsprojekte nicht durchwegs positiv, oftmals kommt es zu einem Abbruch des Kurses durch die Teilnehmer. In anderen Fällen aber werden tatsächlich Firmen gegründet, sobald die Haft beendet ist.

Gemeinsam mit Kollegen der Indiana University haben sich Wirtschaftswissenschaflter der TU München nun genauer angesehen, wann diese Initiativen von Erfolg gekrönt sind und worauf es bei der Konzeption ankommt. Es waren keine Massen-Umfragen, die dafür durchgeführt wurden, sondern Einzelgespräche mit 12 Teilnehmern eines Kurses in einem deutschen Gefängnis, der für 20 Wochen anberaumt war. Die befragten Teilnehmer waren unter anderem wegen Drogenhandels, Tötungsdelikten oder Brandstiftung verurteilt worden. Im Zuge der Ausbildung, die fünf von den 12 Personen vorzeitig abgebrochen haben, mussten sie etwa Businesspläne für ein Kunst-Café erstellen.

Die Kriterien, die über die Annahme des Lehrgangs entschieden, wurden nach den Befragungen von den Wissenschaftlern definiert. Das wichtigste dabei war die Grundeinstellung der Häftlinge: Diejenigen, die andere (Richter, Familie, etc.) für ihre Situation verantwortlich machten, brachen den Kurs eher ab als jene Häftlinge, die selbst Verantwortung für ihre Taten übernahmen. Als "erlernte Hilflosigkeit" bezeichnen die Forscher ersteres Verhalten. Es kommt also durchaus auf die Grundeinstellung an - etwas, das wohl generell für GründerInnen gilt. Holger Patzelt vom TUM-Lehrstuhl für Entrepreneurship, bringt es auf den Punkt: "Ich bin verantwortlich für meine Situation, aber es kann ein Leben danach geben. Wer nicht solche Grundeinstellungen und die Fähigkeit zur Selbstregulation mitbringt, fühlt sich fremdbestimmt. Er ist deshalb auch nicht fähig, in einer Unternehmensgründung einen Sinn zu sehen." Wichtig sei also ein gewisser "Grundoptimismus".

Aus der Analyse wurden konkrete Empfehlungen für solche Kurse abgeleitet - so sei es notwendig, Teilnehmer mit der nötigen Grundeinstellung zu gewinnen. Und im Programm sollte man sich zunächst darauf konzentrieren, die Stärken des Einzelnen zu finden. Denn viele Teilnehmer sind überzeugt, sie hätten keine ausreichenden Fähigkeiten zur Unternehmensgründung, dabei ist ihr wahres Potenzial oft nur versteckt.

Publikation zum Thema: "Overcoming the Walls That Constrain Us: The Role of Entrepreneurship Education Programs in Prison." von Holger Patzelt, Trenton A. Williams und Dean A. Shepherd. Academy of Management Learning & Education, 2014, Vol. 13, No. 4, 587-620; DOI: 10.5465/amle.2013.0094