Spindeleggers Start-Up-Show

Ein ehemaliger Vizekanzler geht unter die Firmengründer - kein Einzelfall

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Ein ehemaliger Vizekanzler geht unter die Firmengründer - kein Einzelfall

Einen "Modernisierungsschub" soll ein ehemaliger österreichischer Politiker der Ukraine also bescheren: Michael Spindelegger, der nach seinem Rücktritt von allen Polit-Funktionen im Sommer des Vorjahres für einige Monate untergetaucht war, wird Chef einer Organisation namens "Agency for the Modernisation of the Ukraine", die nach Pressevermutungen unter anderem vom Oligarchen Dimitri Firtasch finanziert wird; auch deutsche Politiker dürften dort unterkommen. Hauptsitz der "Agency" wird Wien sein, genau genommen dürfte es sich um einen Verein handeln, selbst wenn im Vereinsregister derzeit kein entsprechender Eintrag zu finden ist.

Spindelegger selbst hat indes ein eigenes Unternehmen gegründet: Per 3. März wurde eine "Spindelegger Consulting GmbH" in Hinterbrühl, dem Wohnsitz des Ex-Ministers, im Firmenbuch eingetragen (Nr. 430026t). Der Unternehmenszweck laut Firmenbuch: "Unternehmensberatung insbesondere im Bereich des Förderungswesens und Unternehmensentwicklung der Erwerb, die Verwaltung und die Veräußerung von Beteiligungen an anderen Unternehmen und Immobilien." Gesellschafter sind Spindelegger selbst und der Steuerberater Philipp Brändle.

Spindelegger Consulting als "light"-Variante

Interessanterweise firmiert das Unternehmen von Michael Spindelegger als "gründungsprivilegiert", ist also die vormals als "GesmbH light" bezeichnete Variante eines neuen Unternehmens (zunächst 10.000 Euro Einlage, muss später aufgestockt werden). Als Finanzminister hatte der späte Politiker Spindelegger durchaus seine Mühen mit der Umsetzung entsprechender Pläne. Auf Drängen des Wirtschaftsbundes musste er entsprechende Einschränkungen weitgehend wieder streichen - davon könnte er nun als Gründer witzigerweise selbst profitieren.

Andere Politiker als Gründer

Ein Minister versucht sich jetzt also als Gründer - obwohl natürlich im Vergleich zu anderen Selbstständigen das Netz durch die Ukraine-Connection deutlich fester geschnürt ist sonst üblich. Aber auch andere Politiker gründeten nach dem Ende ihrer politischen Laufbahn Unternehmen, vorwiegend sind sie im Consulting tätig.

  • Bestes Beispiel ist Hubert Gorbach: Der ehemalige FP-Verkehrsminister und Vizekanzler, berühmt-berüchtigt für seine Rundschreiben, hat 2007 die "Gorbach Consulting GmbH" in Frastanz (Vorarlberg) gegründet.

  • Der ehemalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer ist seit 2011 Viertel-Eigentümer des Privat-Equity-Unternehmens Cudos, das u.a. in die marode Textilmarke Backhausen investiert hatte und derzeit mit einer Beteiligung in Kärnten aufhorchen lässt. Zudem engagiert sich Gusenbauer im Immobilienreich von René Benko und für diverse Stiftungen von Hans-Peter Haselsteiner. Langweilig wird dem Ex-SPÖ-Chef also offenbar nicht, zumal er auch noch die kasachische Regierung mit seinen guten Ratschlägen versorgt - eine Tätigkeit, die hierzulande nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt.

  • Bei anderen ehemaligen Politikern als Consulter stößt man bald in schlagzeilenträchtige Gefilde vor: So hat sich ja FP-Sonnyboy Walter Meischberger als PR-Berater und Projektentwickler versucht. Seine mit Karl-Heinz Grasser und Peter Hochegger gegründete Valora Projektbegleitung GmbH ging im Sommer 2014 endgültig zu Bruch.

  • Generell sieht es mit den vermeintlichen Profiteuren der blau-schwarzen Regierungszeit heute nicht mehr so gut aus.

  • Hingegen ist ein anderer FP-Politiker, der des Öfteren in den Schlagzeilen zu finden war, als Consulter tätig: Der ehemalige Nationalratspräsident Martin Graf ist Gesellschafter der GM Consulting mit Sitz in Wien 22. Nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament wollte er sich verstärkt auch dieser Aufgabe widmen.

Der Gründer als Gründer-Förderer?

Zurück zu Modernisierungs-Consulter Michael Spindelegger: Noch ein anderer Aspekt ist bei dessen Firmengründung interessant: Was hat er einstmals als Politiker für Gründer getan? Die ganz großen (Ent)Würfe hat Spindelegger in seiner aktiven Zeit in der Regierung für Gründer und Jungunternehmer nicht geleistet. Zwar hat er im Frühjahr 2012 in seiner "Österreich-Rede" auch Starthilfe für Start-Ups angekündigt. Dies wurde dann später tatsächlich umgesetzt. Doch der große Fokus auf Jungunternehmer, Gründungen und Start-Ups war beim ehemaligen ÖAAB-Obmann nicht zu beobachten. Bleibt abzuwarten, wie sich Spindelegger nun als Start-Up tut.

Bild oben: Firmenbuchauszug per 4. März 2015 von der Eintragung der Spindelegger Consulting GmbH