Kommentar: Wir müssen nicht wollen

Arbeitgeber ignorieren, worauf es Arbeitnehmern ankommt - auch das macht

Recent Posts

Arbeitgeber ignorieren, worauf es Arbeitnehmern ankommt - auch das macht Selbstständigkeit attraktiver.

Mehr als ein Drittel der österreichischen Arbeitnehmer stehen laut einer Umfrage der Vernetzungsplattform Xing einem neuen Job "offen gegenüber". Zwar haben nur elf Prozent der Befragten (Umfrage von marketagent.com unter 509 Erwerbstätigen) die konkrete Absicht, noch heuer einen neuen Arbeitgeber zu suchen - doch die Tendenz ist klar: Treue ist im Berufsleben kein allzu wichtiger Wert mehr. Schuld daran haben aber nicht die so bereitwillig herbeizitierten Generationenunterschiede oder eine allgemeine Wohlstandsverwahrlosung der bösen MitarbeiterInnen, sondern größtenteils die Unternehmen selbst: Die Ansprüche an Arbeitsklima, persönliche Freiheiten, Mitsprachemöglichkeiten, Weiterbildung, etc. werden größtenteils negiert.

Ein BeispieL: Flexible Arbeitszeiten sind auch vor dem Hintergrund mangelhafter Kinderbetreuungsmöglichkeiten ein absolutes Muss; laut Xing-Umfrage hält das bereits mehr als die Hälfte der Befragten für "sehr wichtig". Doch noch immer dominiert in den Unternehmen jener Typus Chef, der es am liebsten hat, wenn die Mitarbeiter ständig anwesend sind - dabei ist das längst nicht mehr in allen Berufen wirklich notwendig. Aber klar: Schwache Führungskräfte definieren Kontrolle über Anwesenheit.

Die Nicht-Erfüllung von Erwartungen der Arbeitnehmern ist ein Aspekt, der bei der offenbar steigenden Attraktivität von Selbstständigkeit eine Rolle spielen dürfte. Was nicht heißt, dass hier der Sozialromantik Tür und Tor geöffnet werden soll: Natürlich drängt die Lage am Arbeitsmarkt viele Menschen in diese Selbständigkeit. Aber die einzelnen Faktoren spielen zusammen und werden auch den Druck auf Wirtschaftskammer, Sozialversicherung, die Politik und die gesamte Wirtschaft steigern, auf diese Tendenz zu reagieren. So ist es beispielsweise ein großes Problem für Selbstständige, dass diese im Krankheitsfall mit schweren finanziellen Einbußen rechnen müssen (siehe unsere aktuelle Story dazu).

Die Selbstständigkeit wird in Zukunft im Leben vieler Erwerbstätiger eine wichtigere Rolle spielen als bisher. Freie Mitarbeit bei Projekten wird in Branchen wie Medien, Soziales oder Werbung noch wichtiger als bisher. Dabei müssen aber auch die Rahmenbedingungen passen. Und die großen Unternehmen sollten schleunigst anfangen, ihre Einstellung gegenüber ihrer wichtigsten Ressource - den Menschen - zu überdenken.