Krank sein - für EPU eher keine Option

Selbstständige sind im Krankheitsfall finanziell gefährdet - Diskussion um Sicherheitsnetz.

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Selbstständige sind im Krankheitsfall finanziell gefährdet - Diskussion um Sicherheitsnetz.

Ein ungutes Kribbeln im Hals, die Stirn fühlt sich heiß an - wenn sich eine Erkrankung ankündigt, ist das schlimm genug. Für Selbstständige kann das auch in wirtschaftlicher Hinsicht böse Folgen haben. Wenn das eben begonnene Projekt nicht fertiggestellt wird, ist ein grippaler Infekt für den Auftraggeber meist keine ausreichende Entschuldigung. Tatsächlich können es sich speziell Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und Kleinstbetriebe gar nicht leisten, krank zu werden.

Zwar haben Selbstständige, die bei der Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft versichert sind, im Falle einer Arbeitsunfähigkeit aus Krankheitsgründen Anspruch auf Krankengeld. Dies gilt generell für alle Unternehmer bis zu einer Betriebsgröße von 25 Mitarbeitern. Doch ein wirklicher Ersatz für reguläre Einnahmen ist das nicht: Das Krankengeld wird nämlich erst ab dem 43. Tag der Krankheit gewährt und nur für maximal 20 Wochen. Pro Tag stehen 28,88 Euro zu, das sind also pro Monat rund 870 Euro, unabhängig vom Einkommen. Wichtig ist die Einhaltung der Meldefristen: Spätestens vier Wochen nach Eintreten der Krankheit muss die SVA informiert werden; danach sind alle zwei Wochen entsprechende ärztliche Bestätigungen vorzulegen.

Zusatversicherung

Es gibt die Möglichkeit, bei der SVA eine Zusatzversicherung abzuschließen, um diese spärlichen Schutz etwas aufzufetten: Die Kosten betragen je nach Beitragshöhe zwischen ca. 29 und 136 Euro monatlich (2,5 Prozent der monatlichen Beitragsgrundlage). Der entsprechende Antrag kann online gestellt werden. Das Krankengeld richtet sich nach Abschluss einer solchen Zusatzversicherung wiederum nach der Beitragsgrundlage, mindestens sind das aber rund 28 Euro pro Tag. Der Vorteil: Dieses Krankengeld gibt es schon ab dem vierten Tag der Krankheit, nicht erst nach eineinhalb Monaten, zudem beträgt die maximale Bezugsdauer 26 Wochen.

Wem das nicht reicht, der kann beispielsweise eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, die bei längerem Ausfall hilft. Allerdings sind die Prämien für solche Polizzen recht happig. Solche Varianten bieten unter anderem die Uniqa oder die Allianz an.

Die steigende Zahl der Selbstständigen führt zu Diskussionen, wie man die Absicherung dieser Gruppe verbessern kann. So hat der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband vor kurzem eine Abschaffung des Selbstbehalts und Krankengeld schon ab dem vierten Tag (ohne Zusatzversicherung) gefordert. Wir werden sehen, wie sehr das Thema weiter diskutiert wird - für Selbstständige und Kleinstunternehmer ist Krankheit jedenfalls doppelt gefährlich.

Links:

Infos der Wirtschaftskammer zu Krankengeld

Bild oben: Ausschnitt aus "Der arme Poet" von Carl Spitzweg, gemeinfrei laut Wikipedia Commons.