Hisense wer?

Unterschiedlicher konnte der Kontrast nicht sein: Betritt man die Halle

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Unterschiedlicher konnte der Kontrast nicht sein: Betritt man die Halle 6.2 der Internationalen Funkausstellung in Berlin, empfängt einem die nonchalante Zurückhaltung und Noblesse der deutschen Traditionsmarke Loewe: Herren in feinem Tuch (Manager!), Damen in schwarzen Kleidchen (Getränke!) – so stellen sich deutsche Marketingmenschen eben einen Auftritt im Jahr 2014 vor. Am Boden weicher Teppichbelag, an den Wänden sanfte Töne, die Geräte dezent platziert, die Gespräche verhalten. Loewe, das erst im Vorjahr einen Insolvenzantrag gestellt hatte, wurde von der Investmentfirma Stargate Capital übernommen. Jetzt scheint wieder alles in Ordnung zu sein.

Ein paar Schritte weiter und die grellen Farben des Hisense-Auftritts auf der IFA sind geschmackstechnisch ein Schock. Von Zurückhaltung hält man hier wenig: Kühlschränke stehen neben 4k-Fernsehern, türkisfarbige Kugelschreiber werden den Besuchern in die Hand gedrückt und das Logo ist an jeder möglichen und unmöglichen Stelle platziert. Bei der Pressekonferenz hat sich eher die Fachmannschaft der deutschen Spezialmedien platziert, so was in der Richtung „Fernsehvertrieb Niedersachsen“. Dass eine Frau die Pressekonferenz eröffnet, könnte Loewe nicht passieren, aber die Chinesen sind halt noch vergleichsweise neu im Geschäft. Und gleich der nächste Fauxpas: „Kaum jemand weiß über unsere Geschichte und unseren Hintergrund Bescheid“, gesteht die Dame zur Eröffnung. Die Vertreter der PR-Agenturen winden sich.
Wobei die Sprecherin ja nicht im Unrecht ist: Hisense ist noch nicht wirklich der große Begriff in Europa. Zwar ist das Unternehmen ein Sponsor des Fußballvereins Schalke 04 und die Partnerschaft mit Loewe hat den Namen Anfang des Jahres mal kurz in die Medien gebracht.

Aber sonst: Wer bitte ist Hisense? Die Zahlen sind beeindruckend:

  • 75.000 Mitarbeiter, davon 3800 in der Forschungsabteilung.
  • 15 Millionen Fernseher pro Jahr werden verkauft.
  • Nummer eins unter den TV-Herstellern in China mit einem Marktanteil von mehr als 18 Prozent.
  • Weltweit viertgrößter Fernseher-Hersteller mit einem globalen Marktanteil von 5,7 Prozent.
  • Bei ultrahochauflösenden Fernsehern weltweit ein Marktanteil von rund 20 Prozent.
  • Umsatzwachstum in den vergangenen fünf Jahren: Plus 250 Prozent.
  • Jahresumsatz: rund 17 Milliarden US-Dollar.
  • Umsatz in Europa rund 200 Millionen US-Dollar.

Gut, nun ist klar, dass Hisense eine fixe Größe in der Unterhaltungselektronik ist. „Wir machen aus einem chinesischen Unternehmen gerade einen globalen Player“, sagte Lin Lan, Vice President der Hisense-Group und als General Manager von Hisense International für das Geschäft außerhalb der Heimat verantwortlich. Sponsoring von Sportveranstaltung soll die Marke bekannter machen, so werden die Australian Open unterstützt, die Unterstützung von Schalke 04 soll nun in Europa helfen. Die Schalker wiederum erhoffen sich, nun einen Fuß in den chinesischen Markt setzen zu können. Ob demnächst in China Autogrammkarten von Christian Fuchs, dem österreichischen Außenpracker in Diensten der Schalker, hoch gehandelt werden?
Aber zurück zur Technologie: UHD-Fernseher, also hochauflösende Geräte, sind derzeit ein Schwerpunkt von Hisense. Zwar ist die Kritik von den mit Kampfpreisen verkauften Modellen nicht restlos begeistert, um es höflich auszudrücken, aber in immer kürzeren Abständen kommen neuen Modelle heraus. Bei der IFA wurde etwa das 84-Zoll-Gerät XT900 vorgestellt – das erste Modell aus der Partnerschaft mit Loewe. Diese Partnerschaft, die bei den Deutschen eher diskret behandelt wird, bringt Loewe-Software nach China und im Gegenzug darf der notorisch klamme Traditionalist auf die Forschungsergebnisse aus China zurückgreifen. Außerdem will Loewe mit seinen Premium-Geräten auf den asiatischen Märkten stärker präsent sein.

Die räumliche Nähe zwischen Hisense und Loewe bei der IFA war also keineswegs ein designtechnisches Missgeschick: Hier die noble deutsche Traditionsmarke, die mit ihrem Mantra von Qualität und Handarbeit die Käufer nicht wirklich überzeugen konnte. Dort die rasch wachsende chinesische Marke, die wie wild investiert und vor allem mit Preisargumenten die Kunden ansprechen will. Eine klare Trennung also zwischen Klasse und Masse?

Wer so denkt, unterschätzt die chinesischen Konzerne. Fast 4000 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung hat Hisense, Loewe hat insgesamt nicht mal 500 Mitarbeiter. Auch die japanischen Konzerne wurden mal als Nachmacher abgetan. Als Produktionsstandort wird China ohnedies von allen Herstellern genutzt, das ist also kein Nachteil für Hisense. Kann sein, dass schon bei der nächsten IFA der Teppich am Hisense-Stand etwas flauschiger sein wird und das Auftreten etwas dezenter. Größer wird der Stand auf jeden Fall sein.