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Halb Laptop, halb Tablet, ganz Windows: Microsoft versucht den goldenen

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altHalb Laptop, halb Tablet, ganz Windows: Microsoft versucht den goldenen Mittelweg. Kann das klappen?

Microsoft hat so seine Mühe, mit den Umbrüchen in der Unterhaltungselektronik zurecht zu kommen: Windows Phone, das Betriebssystem für Mobilgeräte, kommt nicht so recht vom Fleck. Mit Nokia hat man sich eher einen Klotz ans Bein gebunden als den erhofften Siebenmeilenstiefel für das Smartphone-Geschäft. Und die Surface-Modelle sahen bisher gegenüber den iPads eher "mini" aus, auch weil sie das Schlechtestes aus zwei Welten vereinten: Kein echter Laptop mehr, aber auch kein echtes Tablet.

Nun hat der US-Konzern mit dem Surface Pro 3 einen neuerlichen Anlauf unternommen, das ideale Mittelding zwischen "normalem" Windows-PC und Tablet inklusive Touchscreen zu erschaffen - und damit auch dem etwas verhalten aufgenommenen Betriebssystem Windows 8.1 etwas tieferen Sinn zu geben. Auf den ersten Blick hat sich nicht viel getan, das Ding sieht ja genauso aus wie vorher. Es ist zwar etwas leichter und dünner geworden, aber weshalb sollte die dritte Version des Surface nun endlich den gewünschten (und bitter benötigten) Erfolg bringen?

Es sind weniger die kleinen Änderungen als vielmehr das Gesamtpaket: Mit der ansteckbaren Tastatur, die zugleich Schutzhülle ist (Name: Type Cover) soll sich das Surface nun in einen vollwertigen Laptop verwandeln, zugleich aber ein Tablet bleiben. Ich habe das Ding getestet, während ich auf der IFA zwischen wahnsinnig interessanten und unglaublich öden Produktpräsentationen und Pressekonferenzen herumgeirrt bin. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem viertägigen Test:

Das Ding hängt sich ganz schön an, es wiegt nämlich rund 800 Gramm, für die Tastatur kommen nochmals rund 250 Gramm dazu. Zum Vergleich: Das kleinere Mac Book Air mit elf Zoll großem Display wiegt knapp 1,1 Kilogramm, jenes mit 13-Zoll-Bildschirm knapp 1,4 Kilogramm. Ein Vergleich von Äpfel mit Birnen, meint Ihr? Stimmt: Das Eine ist eine Mischung aus Tablet und Laptop, das Andere ein reiner Laptop.

Hier zeigt sich das ganze "Problem" des Surface: Es will beides sein. Brauchen wir aber beides? Microsoft meint, dass "Arbeiten" und "Spaß" verschmelzen: Laptops werden nicht nur für Berufliches verwendet, Tablets nicht nur für die Freizeit. Mit dem Surface soll beides ganz einfach möglich sein und die User sollen natürlich in der Windows-Welt gehalten werden. Windows 8.1 Pro ist auf dem neuen Surface installiert und das nicht immer positiv aufgenommene Betriebssystem soll hier endlich seine Stärken ausspielen können.

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Laut Gartner sind die Verkäufe traditioneller Computer (Desktop-PC, Laptops) weiter rückläufig, während jene von Tablets weiter steigen. Das hat natürlich Auswirkungen auf das Kerngeschäft von Microsoft - und mit einem neuen Hybridmodell soll dieses Geschäft gerettet werden. Die Windows-Kunden sollen in der Windows-Welt gehalten werden. Ein logischer Ansatz.

Aber macht es für uns Nutzer überhaupt Sinn? Der erste Eindruck ist positiv: Wenn ich schreiben will oder Tabellen betrachten oder generell Windows-typische Anwendungen benutze, ist das Surface Pro 3 ein vollwertiger Laptop. Und wenn ich es als Tablet nutzen will, ist es auch recht praktisch. Generell überzeugt das Surface Pro 3 aber eher als Laptop - tatsächlich positioniert Microsoft es ja als Konkurrenz zum Mac Book Air.

Hier die Erkenntnisse des circa eineinhalbwöchigen Tests des Geräts.

Handlichkeit

Wer beides braucht, nämlich Laptop und Tablet, wird sich mit dem Gewicht von rund einem Kilogramm für Surface und Tastatur-Hülle zufrieden geben (müssen). Die Tastatur ist gut zu bedienen, kann aber in Sachen Stabilität mit einer echten Laptop-Tastatur nicht mithalten. Zum Vergleich: Das kleinste Mac Book Air wiegt etwas mehr als ein Kilogramm, das 13-Zoll-Gerät circa 1,4 Kilogramm.

Als Tablet ist das Surface Pro 3 eindeutig zu unhandlich.

Der große Bildschirm mit ausreichend guter Qualität ist zwar nett, wenn man Videos und Fotos ansehen will - aber für ein Tablet ist das einfach eine Nummer zu groß. Der Vergleich zum iPad Air: Das neueste Tablet von Apple hat einen 9,7 Zoll großen Bildschirm (2048 mal 1536 Pixel), das Surface Pro 3 ein 12 Zoll großes Display (2160 mal 1440 Pixel). Die Diagonale der Bildschirme, verglichen in Zentimetern: 24,6 cm (iPad Air) vs. 30,5 cm (Surface Pro 3).

Preis

Ab 800 Euro kostet das Surface Pro 3, das ist aber die Version mit i3-Prozessor. Schon ab i5 wird es teuer, da geht es bei rund 1300 Euro los. Wer wirklich starke Rechnerleistung braucht, muss zu einem i7-Modell greifen, das schon an der 2000-Euro-Grenze kratzt. Auch hier der Vergleich zu den Apple-Produkten: Das Mac Book Air mit elf Zoll großem Display ist ab 900 Euro zu haben, die 13-Zoll-Version ab circa 1000 Euro.

Nicht wirklich ein Pluspunkt für Microsoft: Das Surface Pro 3 kostet 800 Euro, das Type Cover nochmals 130 Euro. Das kleine Mac Book Air mit 11-Zoll-Display kostet ab 900 Euro. Laptops von Marken wie Asus oder Toshiba sind ab rund 600 Euro zu haben.

Benutzung

Gemischte Gefühle: Typische Windows-Programme werden bestens bedient, als Tablet ist das Surface reinen Tablets wie dem iPad oder Samsung-Tablets unterlegen.

Zielgruppe

Arbeitstiere, die zwischendurch mal wo herumtippen wollen. Oder Herumtipper, die zwischendurch mal arbeiten wollen. Wer auch nur ein wenig mehr in eine bestimmte Richtung (also Laptop oder Tablet) tendiert, bekommt eben nur ein Mittelding.